
Aus dem Seftigamt
- Jugendfürsorgetag in Kirchdorf. (Eingesandt.) Sonntag den 30. Mai fand in der vollbesetzten Kirche im freundlich gelegenen Kirchdorf ein erster kirchlicher "Jugendfürsorgetag"statt. Die Veranstaltung verlief in einer Weise, die von einem vollen Erfolg zu sprechen berechtigt.
Die Versammlung wurde eröffnet und geleitet von Herrn Pfarrer Wyss in Kirchdorf. Die flotte Musikgesellschaft Uttigen und verschiedene Chöre von Kirchdorf und Umgebung taten ihr Bestes, um die dreistündigen Verhandlungen zu beleben, die doch kaum jemandem zu lang wurden.
Als Hauptredner sprach Missionar Lädrach frisch, packend und in weitherziger Weise über die Gefahren der schulentlassenen Jugend und über das, was man ihr schuldig sei. Die Diskussion wurde benutzt von den 3 Mitgliedern der synodalrätlichen Jugendfürsorgekommission, Pfarrer Rohr, Hilterfingen, Direktor Stauffer, Hofwil und dem kantonalen Armeninspektor Pfarrer Lörtscher in Bern; sodann von den Herren Grossrat Mühlethaler, Bern, Sekundarlehrer Dr. Roder, Oberdiessbach und Pfarrer Wäber, Münsingen. Durch alle Voten klang der Ton hindurch, dass man der Jugend jede ächte Freude von Herzen gönne; dass man ein starkes und freies Geschlecht heranbilden möchte, das über Genusssucht und Nervenkitzel Herr werde; dass die Jugend gerade auch in ihren Vergnügungen innerlicher, einfacher und natürlciher werden müsse; und dass die Verpflichtung, ihr hierzu behülflich zu sein, nicht nur von Einzelnen, sondern von allen Gutgesinnten als dringliche Aufgabe erkannt und empfunden werden müsse. Al.s spezielle Punkte traten im Laufe der Diskussion hauptsächlich zwei in den Vordergrund: die überall anzustrebende Einrichtung von Komissionen zur Berufsberatung an die schulentlassene Jugend und die Gewinnung passender Lokalitäten, Lesesäle oder Jugendheime landauf landab.
Es ist zu hoffen, dass diesem ersten kirchlichen Jugendfürsorgetag noch viele folgen möchen und dass die daselbst gemachten Anregungen hier und dort als Samenkörner in die Erde fallen und gute Frucht bringen möchten. Den Gemeinde- und Schulbehörden aber von Kirchdorf und Umgebung gebührt für die Art und Weise, wie sie zu dieser Veranstaltung die Hand geboten haben, der beste Dank. Kr.
